Ob nun als Nähanfänger oder mit etwas mehr Erfahrung, ein kleines Sommerkleid ohne benötigtes Schnittmuster ist doch immer praktisch!
Ich gebe gerne mal an, was ich an Maßen verwendet habe, aber eigentlich ist das ziemlich willkürlich anpassbar. Von einem etwas durchsichtigen Blümchen-Chiffon (so würde ich es zumindest bezeichnen, ich weiß nicht mehr ganz genau was für ein Stoff es war) habe ich etwa 4m bestellt, weil er heruntergesetzt war. Letztlich habe ich sogar etwas mehr bekommen, ich glaube 4,40m für den Preis von 4m, also hatte ich mehr als genug Stoff zum Arbeiten. Vor allem wenn der Stoff, mit dem man arbeiten möchte, keine wirkliche Musterrichtung hat, kann man natürlich noch mit wesentlich weniger auskommen. Selbiges gilt für die Fälle, dass man a) kein bodenlanges oder b) kein allzu voluminöses Kleid haben möchte.

Das Kleid besteht aus einem großen Rechteck für den Rock (a), einem Taillenband (b) aus Ober- und Futterstoff und zwei langen Rechtecken für die Cups und zum Binden (c). Weil mein Stoff durchsichtig war, habe ich außerdem noch ein Futter für den Cup-Teil der Träger und für den oberen Teil des Rockes gebraucht. Wessen Stoff komplett undurchsichtig ist, der kann auf das Futter verzichten, das macht alles auch noch leichter. Zuerst habe ich die zwei Cups/Träger ausgeschnitten, indem ich die komplette Länge des Stoffes ausgenutzt und eine Breite von 25cm gewählt habe. Diesen sehr langen Streifen der Länge nach zweiteilen und je beide langen und eine kurze Zeite versäubern, schon sind diese Teile soweit fertig.
Die übrig gebliebene Stoffbreite von etwa 1,20m entspricht der Länge des Rockes, die Breite wird durch das gewünschte Volumen bestimmt. Meinen Rock wollte ich sehr voluminös, im Nachhinein glaube ich aber, dass es doch etwas zu viel war. Zumindest trägt es ein bisschen auf. Eine der langen Seiten (der spätere Saum) ebenfalls versäubern. Es gibt viele Möglichkeiten, für einen derart dünnen Stoff würde ich entweder einen sehr engen Stich auf der Overlock oder einen Rollsaum empfehlen, ich habe mich mangels Overlock für letzteres entschieden. Wer möchte, kann durch ein anderes Verhältnis vom Trägerstreifen zum Rock bzw. durch Abschneiden weiterer Zentimeter die letztliche Länge des Kleides anpassen.
Das ist jedoch auch möglich durch die Breite des Taillenbandes. Wie der Name schon sagt, schneidet man hierfür ein Rechteck mit der Länge entsprechend der Taillenmaße plus Nahtzugabe und der gewünschten Bandbreite plus Nahtzugabe zu. In meinem Fall war das ein Rechteck mit 10cm x 77cm, einmal in dem Oberstoff und einmal aus einem Futter, oder falls der Stoff nicht durchsichtig ist, auch einfach nochmal aus dem Oberstoff.
Die volle Rockbreite wird nun mithilfe von Falten auf die Breite des Taillenbandes gebracht. Hier kann man sich zwischen tiefen, großen Falten oder ganz vielen kleinen entscheiden, ganz wie man möchte. Einfach ein bisschen probieren und idealerweise zuerst eine Seite falten, wenn alles passt, dann auf die andere Hälfte übertragen. Diese Falten werden nun zwischen den beiden Taillenbändern gesandwicht. Dabei trifft die rechte Seite des Rockes auf die rechte Seite des Oberstoffes und die linke Seite des Rockes auf die rechte Seite des Futters, die Kanten werden bündig gelegt. Jetzt einmal mit der gewählten Nahtzugabe (bei mir 1cm) entlang der Kante mit Geradstich nähen, danach die offenen Kanten versäubern. Letzteres ist nicht unbedingt nötig, weil diese sowieso im Taillenband verschwinden.
Wer wie ich noch einen kürzeren Futterrock einnähen möchte, bringt diesen ebenfalls auf Taillenbreite, vernäht den Saum und heftet ihn links auf links an den eigentlichen Rock. Es trifft dann also das Futter des Taillenbandes mit dessen rechter Seite auf die rechte Seite des Rockfutters. Ansonsten einfach gleich vorgehen!
Für die Cups/Träger kann zuerst noch ein kürzeres Rechteck mit gleicher Breite, das ebenfalls an 3 von 4 Kanten versäubert wurde, angenäht werden, um den Stoff blickdicht im Bereich der Brüste werden zu lassen. Dafür am besten das Futter links auf links mit der Hand so annähen, dass von vorne keine Stiche zu sehen sind. Die rohen Kanten liegen dabei aufeinander und werden jetzt rechts auf rechts auf den Oberstoff des Taillenbandes gesteckt. Vor allem bei nicht dehnbaren Stoffen würde ich dabei ein paar Falten oder Rüschen einarbeiten, um Platz für die Brüste zu schaffen. Sind beide Cups/Träger rechts und links von der Mitte des Taillenbandes angebracht, gibt es jetzt zwei Methoden, weiter vorzugehen:
Die erste Variante beinhaltet einige Handstiche. Hierfür werden die Träger einfach an den Oberstoff angenäht, die Nahtzugaben umgebügelt, ebenfalls die des Futters. Dann wird das Futter mit der Hand an den Oberstoff genäht. Auf diese Art sieht man von rechts keine sichtbaren Stiche.
Alternativ kann man auch mit der Maschine über die bereits umgebügelten Nahtzugaben nähen, was allerdings eine deutlich sichtbare Reihe an Stichen hinterlässt und ein wenig schwieriger ist, wenn man es gerne von links und von rechts gleichmäßig haben möchte. Dabei helfen auf jeden Fall viele Nadeln.
Zuletzt muss nur noch der Reißverschluss angenäht werden. Dafür verwendet man am besten das dafür vorgesehene Füßchen. Für genaue Anleitungen zum Annähen eines nahtverdeckten Reißverschlusses eignen sich meiner Meinung nach am besten Videos, wenn man das noch nie gemacht hat. Ich habe den Reißverschluss jedenfalls so angebracht, dass er bündig mit dem oberen Ende des Taillenbandes abschließt, wo ich außerdem einen Haken und eine Öse angebracht habe. Oberstoff und Futter des Rockes habe ich wie ein Teil behandelt und den Reißverschluss direkt an beide Lagen angenäht. Das überstehende reißverschlusslose Band kann nach innen gefaltet und unter dem umgeklappten Reißverschluss versteckt werden, den man optional mit ein paar Handstichen in der umgefalteten Position fixieren kann. Der Rest des Rockes unterhalb des Reißverschluss-Endes wird jetzt noch so weit wie möglich zusammengenäht und versäubert, dann ist das Kleid auch schon fertig!

Mit dieser Art von Kleid gibt es zig verschiedene Möglichkeiten, es zu binden. Aufgrund meiner Stoffwahl funktioniert leider nur die Standard-Variante bei mir gut, weil andernfalls der Stoff nicht so gut die Cups formt. Wenn ich noch ein Kleid dieser Art nähe, dann auf jeden Fall mit einem etwas dehnbaren Stoff, der sich besser anschmiegt und hält. Ansonsten finde ich das Kleid ziemlich cool!
Hoffentlich hat es euch gefallen, über die Herangehensweise dieses Kleides zu lesen, und wer weiß, vielleicht probiert ihr ja sogar einmal aus, ein ähnliches Kleid zu nähen? Es würde mich freuen, die Ergebnisse zu sehen! Ansonsten, kommt noch gut durch den Sommer!
~Alina
