Dieser wunderschöne Sweat Stoff lag nun schon seit Monaten bei mir im Regal, fast schon ein Jahr, denn ich erinnere mich, bereits letzten Winter ein Kleid daraus nähen gehabt zu wollen. Vielleicht ist er ein bisschen zu unruhig für das Kleid im Gesamten, das ist mir im Nachhinein auch klar geworden, aber ich mag es bunt! Nachdem ich nun endlich zu dem Entschluss kam, mich an den Stoff und das entstehende Kleid zu machen, drapierte ich mir zuerst ein Schnittmuster auf meiner Schneiderpuppe. Dabei überlegte ich mir nur den Schnitt des Oberteils, für den unteren Teil pauste ich mir einen gut sitzenden Rock ab. Eigentlich war der Stoff elastisch, doch irgendwann im Konstruktionsprozess fiel mir auf, dass er, wenn man das Muster in der richtigen Ausrichtung auf dem Kleid haben wollte, nicht horizontal sondern vertikal elastisch war. Genau falsch rum… denn für gewöhnlich verläuft die Dehnbarkeit ja rund um den kurvigen Oberkörper. Das war allerdings ein Problem, das sich nicht ändern ließ, also fuhr ich fort mit der geplanten Reihenfolge. Das Kleid sollte über zwei interessante Details verfügen, einmal über Paspeln entlang der Wiener Teilungsnaht oder dem Princess Seam, wie man es auch nennen mag, und entlang des Halsausschnitts. Ein weiteres Detail sollte aus Kunstleder gemacht sein und die Ärmelenden und die Schultern betonen. Im Endeffekt waren das auch die zwei schwierigsten Aspekte des ganzen.

Hier sieht man im Hintergrund meinen schönen Sweat Stoff und im Vordergrund ein zweiter Stoff für die Paspeln

Angefangen mit den Paspeln: ich wollte sie selber machen. Zuvor hatte ich bereits etliche Anleitungen gesehen und war mir sicher, dass es gut klappen würde. Wegen des doch etwas dickeren Stoffes wollte ich auch eine verhältnismäßig dicke Paspel, also drehte ich mir kurzerhand drei lange Kordeln aus normaler Wolle. Die Wolle nahm ich doppelt und hing die Schlaufe über die Türklinke, dann drehte ich die Fäden solange in eine Richtung, bis eine gleichmäßige Spannung darauf war. Jetzt nur noch die Schlaufe mit den zwei offenen Enden zusammenführen und das verdrillte Chaos etwas richten, das Ende verknoten und die Kordel war fertig. Alles drei mal, natürlich. Aus einem farblich passenden Stoff schnitt ich mir nun Bänder zurecht, die etwas länger als die letztlich gebrauchte Paspellänge waren. Die Breite lag in etwa bei 3 oder 4 Zentimetern. Meine Nähmaschine bekam nun einen Reißverschlussfuß eingesetzt und ich legte die Kordel in die Mitte des Stoffstreifens, faltete die Längskangen aufeinander und steppte so nah wie möglich an der Kordel entlang. Der Anfang war etwas ungewohnt, aber dann ging das sehr schnell von statten. Weil ich mit der Overlock noch nicht allzu geübt war, nähte ich nun die vordere Teilungsnaht inklusive der Paspel an der normalen Nähmaschine. Dazu wurden die beiden Schnittteile ganz normal rechts auf rechts aufeinander gelegt, bloß in die Mitte schob ich das Paspelband, mit der rohen Kante anliegend an den beiden anderen rohen Kanten. Jetzt musste nur wieder ganz nah an der durch den Stoff zu spürenden Kordel genäht werden, um die vorherige Naht an der Paspel zu überdecken. Ich glaube, ein paar mal kam ich sogar etwas zu weit auf die Kordel drauf, doch das hat am Ende nicht gestört. Viel ungünstiger war, dass durch den längselastischen Stoff und die relativ starre Paspel am Ende ein paar komische Falten entstanden. Meine Vermutung ist, dass es besser bei einem querelastischen Stoff funktioniert hätte.

hier sind die fertigen Paspeln zu sehen

Es folgte nun das erste Kunstleder Detail entlang der Schulter, das an der später sichtbaren Seite einmal umgenäht wurde. Trotz des extra dafür eingesetzten Teflon Füßchens und größerer Stichlänge, war dieses Kunstleder nicht allzu angenehm zu vernähen. Die genau entgegengesetzte Kante wurde nun an der Schulter links auf rechts auf das Vorderteil gelegt und darauf kam mit der rechten Seite nach Unten das Rückenteil. Hier traute ich mich dann doch wieder an die Overlock, die die Kanten gleich versäuberte. Das Rückenteil bekam außerdem noch die im Schnittmuster enthaltenen Abnäher. Im Nachhinein hätte ich jetzt besser eine andere Reihenfolge gewählt, allerdings schloss ich jetzt zuerst die Seitennähte und setzte den fertig genähten Ärmel im Anschluss ein. Leichter wäre vor allem mit der Overlock gewesen, den noch offenen Ärmel in das vorgesehene Armloch bei noch offenen Seitennähten einzufügen.

das Schulterdetail aus Kunstleder

Wo ich gerade von diesem spreche, auch hier weiß ich im Nachhinein, wie ich es besser hätte lösen können… Zuerst nähte ich wieder die später sichtbare Kante des Kunstleders um, legte die rohe lange Seite des Kunstleders mit der rechten Seite nach Oben bündig unter den Ärmel, der ebenfalls mit der rechten Seite nach oben sah, sodass die beiden rechts auf links aufeinander trafen. Nachdem ich einmal mit der Overlock entlang genäht hatte, wurde das Kunstleder um die Naht herum auf die Vorderseite des Ärmels gelegt und mit der normalen Nähmaschine schloss ich die vorherige Naht ein. Sowohl Ärmel als auch Kunstleder schauten mit der rechten Seite nach oben. Besonders hier machte mir der Stofftransport etwas zu schaffen, möglicherweise hätte ich hier besser einen Obertransporteur verwendet. Jetzt schloss ich mit der Overlock die Ärmel ganz normal rechts auf rechts und fügte sie in das Armloch ein. Allerdings blieb durch diese Art eine relativ unangenehme und dicke Naht direkt an der Ärmelöffnung.

Wie ich es besser gemacht hätte: nur den Ärmel schließen, ohne das Kunstleder angenäht zu haben, dieses separat zu einem Ring schließen und dann den Ring im gleichen Prinzip an den Ärmel nähen. So wäre wenigstens das Kunstleder aus der Overlock Naht draußen gewesen, außerdem wäre somit das ganze mehr wie eine Manschette und würde nicht in der Ärmelnaht festklemmen.

Die letzte Paspel brauchte es noch für den Kragen, wo sie einmal rings herum bündig auf der rechten Seite des Halsausschnittes festgesteckt wurde, wenn möglich mit etwas Zug darauf, und mit der Overlock angebracht wurde. Im Anschluss steppte ich die Nahtzugabe noch einmal von der rechten Seite nach unten fest, sodass sie nicht versehentlich hervor blicken konnte.

Der Rockteil des Kleides sollte ziemlich simpel werden, allerdings wollte ich ein Paar Taschen, angebracht wie die vorderen Taschen einer Jeans und mit dem hinteren, sichtbaren Teil aus Kunstleder. Was dabei genau mein Fehler war, weiß ich nicht, jedenfalls klaffen sie ein wenig auf. Der Rock bestand aus 3 Schnittteilen, einem vorderen und zwei hinteren, um den Reißverschluss einfügen zu können. Das vordere Teil sollte nun die Taschen bekommen und diese sollten optisch genau mit der vorderen Teilungsnaht des Oberteils aufeinander treffen. Mit einem Zentimeter Nahtzugabe Schnitt ich also einen Eingriff auf beide Seiten des Vorderteils, schnitt zwei gespiegelte Kunstleder Taschen aus und zwei aus dem Sweatstoff, die sowohl die Form der Kunstledertasche als auch den Eingriff des Rockes beinhalteten. Zuerst nähte ich dann die Sweat Teile rechts auf rechts entlang des Eingriffs an das Rockteil, wendete es nach “innen” und steppte die Nähte von oben ab. Dann folgte das Kunstlederteil rechts auf rechts auf das eben nach innen gewendete Sweat Taschenteil, das jetzt entlang der aufeinander treffenden gebogenen Kante angenäht wurde. Im Anschluss wurden noch auf jede Seite des Vorderteils das korrespondierende Rückenteil genäht, das auch die Taschen in der Seitennaht fixierte.

leider etwas unscharf die Tasche

Um beide Teile, Rock sowie Oberteil, zu verbinden, nähte ich sie einfach mit der Overlock zusammen, wobei ich darauf achtete, dass sowohl die Seitennähte als auch die vorderen Teilungsnähte mit den Taschen aufeinander trafen. Zuletzt folgte noch ein nahtverdeckter Reißverschluss entlang der Rückennaht, der Rest des Tickets ohne Reißverschluss wurde dauerhaft geschlossen und der Saum mit einem dehnbaren Stich umgeschlagen, und fertig war das Kleid.

fertiges Kleid!

Gerade rechtzeitig, um am Morgen des 1. Weihnachtsfeiertages gemütlich getragen zu werden. Es gibt ein paar Aspekte, die ich ändern würde, außerdem hätte es mir in etwas schlichter vermutlich besser gefallen, dennoch ist es ein hübsches und gemütliches Kleid für den Winter.

~Alina