Seit ein paar Monaten bin ich in einem kleinen neuen Chor, zusätzlich zu dem, in dem ich schon seit ein paar Jahren sehr gerne bin. Dieser neue Chor ist mal wieder nicht in meinem Heimatort, aber eine Freundin, die ihn mitgegründet hat, hatte mich eingeladen, ihn mir einmal anzusehen. Und was soll ich sagen, seit der ersten Probe bin ich super gerne dabei! Wir sind bisher nur 7 Mitglieder, von denen einer immer am E-Piano sitzen muss, und noch haben wir auch erst 3 Lieder im Repertoire, aber es macht einfach so viel Spaß! Eines dieser Lieder ist das wohl bekannte “Lollipop”, das wir letzte Woche (26.7.19) vor dem Gesangsverein aufführen durften.
Schon einige Proben davor stand fest, dass wir eine kleine Choreografie dazu erstellen wollten, und kurzfristig entschieden wir uns auch für ein zusammenpassendes Outfit. Neben ziemlich niedlichen Polka Dot Röcken in gut zusammen passenden Farben fand ich die Idee von echten Lollis sehr gut. Schon ein paar Wochen davor hatte ich mir Gedanken darüber gemacht, wie weit wir Outfits in die optische Richtung “Süßigkeiten” bringen könnten, ohne dass es übertrieben aussähe. Und zu viel Arbeit machte. Das war auch der Grund, weshalb ich mich gegen Lolli-artige Swirls auf den Röcken selbst entschieden hatte. Aber warum nicht einen ganzen Lolli für jeden basteln?

Gedacht, getan, könnte man meinen. Zwei Wochen vor dem kleinen Auftritt habe ich also losgelegt, erst einmal, ohne dem Chor etwas zu sagen. Denn falls es super hässlich werden würde, hätte ich einfach deren Existenz verschwiegen. Für Cosplay Zwecke hatte ich mir mal Fußmatten aus EVA Schaum bestellt und noch nicht besonders viel daraus gemacht (was funktioniert hätte, *hust), deshalb wollte ich die Gelegenheit ergreifen und dieses Material verwenden. Zuvor hatte ich schon ein bisschen mit EVA gearbeitet, allerdings eher mit der teureren Variante, die eigens für Bastelzwecke gedacht war. Fußmatten hatte ich noch nicht wirklich verwendet. Zur Erklärung kann man sagen, dass diese Art von Schaumstoff quasi ein dickeres Moosgummi ist. Es ist sehr leicht, lässt sich mit dem Cutter und an dünneren Stellen auch mit der Schere schneiden, mit dem Dremel und wohl auch Sandpapier bearbeiten, mit einem Lötkolben Details einbrennen, mit dem Heißluftföhn versiegeln und in Form bringen. Letzteres ist durch die Dicke des Materials stark eingeschränkt, 0,5cm lassen sich noch sehr gut in Form bringen, 1,0cm Fußmatten finde ich in dieser Hinsicht schon schwieriger. Außerdem sind bei diesen die Ränder mit einer Art Puzzle-Struktur versehen und eine Fläche ist glatt, die andere enthält ein Muster.
Meine Idee war also, selbst wenn die Lollis schief gehen würden, hatte ich zumindest ein bisschen Übung. Ich habe also erst einmal einen Kreis auf Papier gezeichnet, damit alles halbwegs die gleiche Größe haben würde, und diesen dann mithilfe eines Kullis 7 mal auf die Matten übertragen. Weil ich Material und Platz sparen wollte, sind die Kreise nicht perfekt geworden, aber das Dremeln hat die meisten Unebenheiten entfernt. Die Kreise habe ich im Anschluss mit einem Cuttermesser oder einem scharfen Skalpell ausgeschnitten, wobei man sich Mühe geben sollte, im 90° Winkel zu schneiden. Das ist schwerer als ich dachte, aber solange nur eine Seite relevant ist und nichts übereinander geklebt werden muss, sind kleine Fehler verkraftbar. Die Kreise wurden dann einmal ringsherum mit dem Dremel bearbeitet (auf angemessene Schutzkleidung achten! Schutzbrille, Mundschutz). Dazu habe ich einen Schleifaufsatz verwendet und zuerst die Schnittkante selbst, dann die Ecken rechts und links dieser Kante geglättet und abgerundet. Den Dremel dabei auf einen zu bewegen und lieber an etwas übrig gebliebenem EVA üben, wenn es der erste Versuch sein sollte. Meine Geschwindigkeit lag bei etwa 10.000 Umdrehungen, wenn ich mich richtig erinnere.

Als nächstes habe ich in die glatte Oberfläche den für Lollis typischen Swirl gravieren wollen. Dafür wird der Dremel Aufsatz nicht mehr im 90° Winkel zu der zu bearbeitenden Fläche gehalten, sondern etwa in einen 45° Winkel gekippt. Es berührt jetzt also nur noch die Kante des Schleif-Zylinders das Material. Das war mit Abstand der schwierigste Teil der ganzen Geschichte, denn es sollte nach Möglichkeit eine durchgängige Linie bilden, die idealerweise zu beiden Seiten hin eine Schräge aufweist, so wie eine Kerbe in V-Form.

Ist das erst einmal geschafft, versiegle ich die Oberfläche zunächst mit dem Heißluftföhn. Damit meine ich auch wirkich das und keinen Föhn für die Haare, hier geht es um ganz andere Temperaturen! Der Effekt hiervon ist, dass sich die Oberfläche etwas ausebnet was kleine Fusseln angeht, allerdings Schnitte öffnen sich unter Hitze weiter als zu verschwinden. Der Föhn ist aber auch kein Wunderheilmittel, also wenn nach dem Dremeln noch größere Fetzen abstehen, diese lieber schnell mit der Schere entfernen und am besten auch noch einmal mit dem Staubsauger oder -Lappen grob die kleinen EVA Staubpartikel entfernen. Außerdem bitte darauf achten, dass man weder die eigenen Finger noch seine Umgebung verbrennt! Bevor es zum nächsten Schritt kommen, schnell noch in jede Lollikante ein Loch bohren: Holzaufsatz in Akkuschrauber hat bei mir einwandfrei funktioniert, nur aufpassen, dass das Loch nirgends die Oberfläche beschädigt, aber dennoch groß und tief genug für die späteren Stiele ist. Dafür habe ich übrigens billige Essstäbchen verwendet.
Um gleich beim Primen und Anmalen alles besser halten zu können, habe ich jetzt schon die Stäbchen in die Löcher geklebt. Dafür eignet sich Heißkleber gut, der eine starke Bindung mit weitestgehend rohem EVA eingeht, ebenso wie Kontaktkleber, der allerdings für dieses Projekt eher ungeeignet war. Einfach einen Klecks Heißkleber in das Loch spritzen und das Stäbchen hinein drücken. Mein Primer hierfür war Flexbond, eine Art Kleber, ähnlich wie Holzleim, dafür gemacht, um Oberflächen zu grundieren. Er trocknet durchsichtig und bleibt elastisch, also selbst wenn der Lolli mal aus Versehen geknickt werden würde, gibt es keine Risse in der Oberfläche.

Nach zwei Schichten Flexbond folgen jeweils eine Schicht weiße und gelbe Airbrush Farbe (hier hat sich der Stiel als besonders hilfreich erwiesen!), anschließend habe ich versucht, die Farben unserer Röcke in die farbigen Swirls der Lollis zu integrieren. Hierbei ist der Kreativität keine Grenze gesetzt und es gibt genügend Inspiration im Internet. Die Stile könnte man jetzt entweder Holzfarben belassen oder weiß anmalen. Zu guter Letzt noch alles mit einem Klarlack fixieren und fertig!

Wir wollten unsere Lollis als Kopfschmuck tragen und haben sie deshalb an Haarreifen geklebt. Das hat wirklich nicht sehr lange gehalten, deshalb haben wir im Nachhinein noch ein Loch durch Haarreif und Lolli gebort und eine klitzekleine Schraube hinein gesteckt. Jetzt hält es jedenfalls super! Die Lollis sind natürlich weit entfernt von realistisch und auch nicht meine schönste Bastelei, aber für einen Gruppenauftritt ein passendes Accessoire zu haben, war wirklich schön!
Viel Spaß beim Lollis basteln!
~ Alina

